Wie fängt das Spinnennetz den Morgentau?

February 5th, 2010

Eine wunderbare Arbeit in Nature löst diese Frage nun endlich! An einem nebligen Morgen kann man wunderschöne Gebilde im Wald und auf der Wiese finden, von Morgentau benetzte Spinnenweben.

Spinnenetz mit Morgentau
Bild Wikipedia

Daran lässt sich ganz besonders schön die fein strukturierte Konstruktionsmeisterschaft dieser Achtbeiner abschätzen. Menschliches Haar zum Beispiel kann das nicht! Wäre aber auch nicht so praktisch, wenn man jedes Mal nasse Haare bekäme, wenn die Luftfeuchtigkeit mal ein bisschen ansteigt!
Es liegt an der feinen Struktur der Spinnengespinste, die machen es den Tautropfen besonders leicht sich anzulagern und zu vergrössern.
Ein schöner Artikel aus China mit sehr sehenswerten mikroskopischen Time-Laps Aufnahmen, für die eine Klimakammer gebaut wurde!
Mein Artikel der Woche!

Verringerte Serotonin-Level bei plötzlichem Kindstod?

February 3rd, 2010

ResearchBlogging.org
Der plötzliche Kindstot oder Krippentod ist eine Definition für eine Situation des Säuglingstod, bei dem bekannte ursächliche Gründe ausgeschlossen werden konnten. Diese Definition ist in manchen Punkten fraglich, da es sich die Todesursache retrospektiv oft nicht zweifelsfrei klären lässt, doch das Auftreten eines solchen Ereignisses ist verheerend für die betroffenen Eltern, da die Gesellschaft trotz der Anerkennung der Sachlage immer noch oft vorverurteilend vorgeht.

neugeborener Säugling
Bild: Wikipedia

Das Auftreten von SIDS (Sudden Infant Death Syndrome) ist regional unterschiedlich und betrifft zwischen 0,09 und 0,8 Babys pro 1000 Geburten und tritt am häufigsten zwischen dem 2. und 4. Lebensmonat auf. Trotz enormen Forschungsanstrengungen ist die Ursache nach wie vor unerklärt. Man hat mit einer grossangelegten Kampagne vor einigen Jahren enorme Verbesserungen erreicht. Dabei wurde über die bis dahin bekannten Risikofaktoren aufgeklärt und ein verändertes Verhalten der Eltern angeregt. Diese Faktoren sind unter anderem die Schlafposition auf dem Bauch, eine rauchbelastete Umgebung, überhitztes Raumklima und Fremdkörper wie Decken, Kissen, Felle, Kopfbedeckungen im Bettchen.
Die amerikanische Pathologin Hannah Kinney from Children’s Hospital in Boston hat bereits 2006 eine Untersuchung publiziert, bei der verringerte Mengen des Serotoninrezeptors im Hirnstamm von an SIDS verstorbenen Säuglingen entdeckt wurden. Nun erscheint die Nachfolgestudie, bei der auch die Konzentration des Neurotransmitters Serotonin selbst verringerte Werte aufwies. Serotonin ist an der Steuerung des Herzschlags, der Atmung und dem Aufwachen beteiligt. Eine Theorie besagt, dass die betroffenen Kinder nicht ordnungsgemÄss auf eine Erstickungssituation reagieren, weil ihnen die Serotoninkonzentrationen für ein Aufschrecken oder einen Positionswechsel fehlen. Doch das ist bisher nur eine Hypothese.
Nur mit weiterer Forschung kann dieser verheerende und für die Hinterbliebenen traumatisierende Vorgan weiter aufgeklärt werden, mit der Hoffnung eine Therapie oder eine Frühwarnung zu entwickeln.

Autor: Fee

Paterson, D., Trachtenberg, F., Thompson, E., Belliveau, R., Beggs, A., Darnall, R., Chadwick, A., Krous, H., & Kinney, H. (2006). Multiple Serotonergic Brainstem Abnormalities in Sudden Infant Death Syndrome JAMA: The Journal of the American Medical Association, 296 (17), 2124-2132 DOI: 10.1001/jama.296.17.2124

Duncan, J., Paterson, D., Hoffman, J., Mokler, D., Borenstein, N., Belliveau, R., Krous, H., Haas, E., Stanley, C., Nattie, E., Trachtenberg, F., & Kinney, H. (2010). Brainstem Serotonergic Deficiency in Sudden Infant Death Syndrome JAMA: The Journal of the American Medical Association, 303 (5), 430-437 DOI: 10.1001/jama.2010.45

LJ001 - Ein antivirales Medikament mit Breitbandwirkung?

February 2nd, 2010

ResearchBlogging.org
Die Antibiotika werden als eine der Schlüsselentdeckungen der modernen Medizin betrachtet und ermöglichten es Ärzten seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, die dringlichsten Krankheiten wie Tuberkolose, Pneumonie oder Syphilis erstmals effektiv zu behandeln. Doch neben den, sich immer häufiger einstellenden Resistenzen, besitzen sie ein massgebliches Manko. Sie wirken nur gegen bakterielle Krankheitserreger. Eine grosse Zahl von Krankheiten wird jedoch von Virusinfektionen ausgelöst und viele dieser Erkrankungen verlaufen lebensbedrohlich. Antivirale Medikamente sind bisher nur in wenigen Fällen und speziell auf den spezifischen Erreger zugeschnitten, verfügbar, wie im Falle von HIV oder Influenza. In vielen Fällen lässt sich der Virusinfektion durch eine Impfung vorbeugen und Impfkampagnen bewirkten bahnbrechende Erfolge in der medizinischen Betreuung. Doch einige Viren “wehren” sich mit ausgeklügelt erscheinenden Ausweich- und Tarnmechanismen fundamental gegen einen Impfschutz und führen heute die Sterblichkeitsstatistiken der WHO an, wie im Fall von HIV und HCV.
Forschern aus den USA (University of Texas, UCLA, Harvard University, the U.S. Army Medical Research Institute und Cornell University) ist nun möglicherweise der grosse Fang gelungen. Sie suchten eigentlich nach einem Inhibitor der tödlichen Nipah-Virusinfektion. Beim automatisierten High-Throughput-Screening einer Wirkstoffbibliothek mit mehr als 30.000 einzelnen Molekülen sind sie dabei auf einen Kandidaten mit dem vielversprechenden Namen LJ001 gestossen, der die Neuinfektion kultivierter Zellen wirkungsvoll verhinderte. Bei weiteren Tests stellte sich jedoch heraus, dass dieser Prozess nicht ausschliesslich spezifisch für das Nipah Virus war, sondern eine ganze Bandbreite von Virusinfektionen, unter anderen Ebola, HIV, HCV, West Nil Virus, Rift Valley Fiebervirus und das Gelbfiebervirus, erfolgreich blockierte.

elektronenmikroskopische Aufnahme eines Ebolavirus
Bild: Wikipedia

All diese Viren haben eines gemeinsam, sie besitzen eine Lipidmembranhülle, die sie von ihren Wirtszellen übernehmen, und deren Fettsäurenzusammensetzung der Zellmembran der Wirtszellen ähnelt. Auf Viren, die sich nicht mit einer solchen Lipidmembran umgeben, hatte der Wirkstoff dagegen keinerlei inhibitorischen Einfluss. Die Forscher fanden heraus, dass der Wirkstoff durch Interkalation die Zusammensetzung dieser Membranhülle so verändert, dass die Fusion mit der Wirtszellmembran einer neu zu infizierenden Zelle, nicht mehr stattfinden kann. Doch diese Membranfusion ist essentiell für den Infektionsprozess. Natürlich hat die Substanz die selbe Auswirkung auf die Zusammensetzung der Zielzellmembran, doch die Zelle besitzt im Gegensatz zu den Viren ein spezifisches Reparatursytem, um solche Beschädigungen effektiv zu kompensieren. Dies zeigten auch Toxizitätstests mit antiviralen Konzentrationen in Vergleichszellkulturen.
Die grosse Hürde der klinischen Studien muss die Substanz sicher noch erfolgreich nehmen, doch erste in vivo Studien in Mausmodellen mit Ebola und Rift Valley Virusinfektionen verliefen vielversprechend und zeigten keine ausgeprägten Toxizitäten. Der Nachteil dieser Studien ist, dass Viruspartikel ausserhalb des Wirts mit LJ001 behandelt, und dann erst in die Tiere injiziert wurden. Dies entspricht natürlich nicht der Situation einer systemischen Gabe des Wirkstoffes als Therapeutikum.
Sollte sich dieses “kleine Molekül” jedoch als wirksam und therapeutisch einsetzbar herausstellen, könnte es eine neue Revolution der Gesundheitsbetreuung, vergleichbar zur Einführung der Antibiotika, auslösen. Wenn man dann noch betrachtet, dass immer mehr Krebserkrankungen mit Virusinfektionen und vor Allem deren langjähriger Chronizität assoziiert werden, könnte dieser Wirkstoff definitiv einiges verändern.

Wolf, M., Freiberg, A., Zhang, T., Akyol-Ataman, Z., Grock, A., Hong, P., Li, J., Watson, N., Fang, A., Aguilar, H., Porotto, M., Honko, A., Damoiseaux, R., Miller, J., Woodson, S., Chantasirivisal, S., Fontanes, V., Negrete, O., Krogstad, P., Dasgupta, A., Moscona, A., Hensley, L., Whelan, S., Faull, K., Holbrook, M., Jung, M., & Lee, B. (2010). A broad-spectrum antiviral targeting entry of enveloped viruses Proceedings of the National Academy of Sciences DOI: 10.1073/pnas.0909587107

Sounds of Science! Splendid!

February 1st, 2010

www.soundsofscience.net
Courtesy of: www.soundsofscience.net

Das es geekige Wissenschaftler sind, die neben ihrer Geekigkeit doch auch noch normale Verhaltensregeln befolgen, haben wir vor einiger Zeit gezeigt, mit dem Rap-Video über den Synaptischen Spalt.
Doch nun bin ich auf etwas viel “Cooleres” gestossen. Da gibt es irgendwo in New York City und am CRG in Barcelona ein paar musikalische WissenschaftlerInnen oder wissenschaftliche MusikerInnen, oder Beides (so lautet es in ihrem “About” Bereich!), die verschiedene typische Geräusche des naturwissenschaftlichen Laboralltags aufnehmen und mit musikalischer Begleitung zu ziemlich genialen Compilations zusammenmischen.

null
Courtesy of: www.soundsofscience.net

Das Ganze kann man sich auf ihrer Page: www.soundsofscience.net wunderbar anhören. Ich bin begeistert und habe natürlich auch sofort auf der korespondierenden Facebook-Seite mein Häkchen als Fan gesetzt!

Power-Paare in der Wissenschaft! Ist das möglich?

January 27th, 2010

Autor: Fee
Im “The Scientist” ist ein herrlicher Artikel über “erfolgreiche Power-Paare” in der Wissenschaft erschienen. Dabei werden drei Paare anhand ihrer Publikationsanzahl und Zitationshäufigkeit vorgestellt. Alle haben sie die eine oder andere “Head of…”, “Director” oder “CEO” Position inne und zusätzlich noch Kinder grossgezogen. Dazu geben zum Beispiel die Nabels, beide hohe Tiere am NIH und am Brigham Hospital in Boston, Lebensbewälltigungstipps wie:

Pay for childcare, if possible

“We decided early on that we would always keep family as our first priority,” says Elizabeth, so money always went to education and nannies before other expenses. They hired a nanny to take care of their first son while they were completing residency and postdoc fellowship training, and continued employing nannies for all three children. “There were some years in Ann Arbor when we had three nannies who rotated schedules so we had coverage on evenings and weekends as well as after school,” says Elizabeth.

Also: Bezahle eine Nanny dafür, deine Kinder zu erziehen. Und wenn deine Karriere gut genug abgeht, dann kannst du gleich mehrere Nannies anstellen, die einen Rotationsplan ausführen, der die Erziehung deiner Kinder auch Abends, am Wochenende und zu ansonsten undenkbaren Zeitpunkten gewährleistet.
Dann gibt es noch: “Incorporate work into family time.” Ohne Kommentar!

Mal ehrlich, ist das erstrebenswert? Ich habe eine kleine Tochter im Alter von 14 Monaten, und bin unter der Woche schon tief betrübt, sie nur morgens und abends jeweils eine Stunde zu erleben. Dafür hab ich aber das Wochenende, dass ich mir, bis auf absolute Notfälle wie Meetings, rigoros freihalte. Ich kann das nicht verstehen. Aber vielleicht macht es ja aus der Sicht eines Hardcore-Wissenschaftlers Sinn, denn die evolutiv wichtigste Angelegenheit des Kinderkriegens, nämlich die erfolgreiche Weitergabe des eigenen Erbgutes, hat man ja zum Zeitpunkt der Geburt im Prinzip erfüllt. Doch so einfach ist das nicht, denn auch der Nachwuchs sollte das Erbgut wiederrum weitergeben, sonst ist das ganze eine Sackgasse. Und ob ein traumatisiertes (ist jetzt bewusst etwas krass ausgedrückt!), von einer Unzahl Nannies aufgezogenes Wesen das auch zufriedenstellend hinbekommt, ist fraglich. Somit sollte man sich vielleicht mal einen Blick in die Zukunft gönnen und fragen, ob die eigene Karriere das wert ist.

Das zweite Power-Paar lebt und arbeitet in der italienischen Schweiz. Da keine Kinder vorhanden sind, beziehen sich die Tipps mehr auf Zusammenarbeit und Konkurrenz.

Das dritte Power-Paar aus England dagegen schlägt andere Töne an und hat es geschafft, trotz laufender Karrieren sich selbst und der Familie mehr oder weniger treu zu bleiben. Da klingen auch die Tipps schon etwas vernünftiger:
“Keep weekends sacred”, “Take couple time” und “Take turns sacrificing”. Also “Heilige Wocheneden”, “Paarzeit” und “Abwechseln beim Opfern”, schon eher.
Also was ist da los?
Ist es tatsächlich der Unterschied zwischen USA und Europa, wie in den Kommentaren diskutiert wird? Möglich, aber nicht wahrscheinlich. Ich bin mir sicher, das man auch entsprechende geographische Beispiele mit exakt umgekehrten Ansichten finden könnte. Es steht zwar ausser Frage, dass die USA an den Unterstützungen für Mütter und Eltern etwas ändern sollten, doch auch die sehr grosszügigen Regelungen im nördlichen Europe zeigen seit ihrer Einführung keinen potentiell positiven Effekt auf die Geburtenraten. Das Problem ist also sicherlich um ein vielfaches komplexer. Ich denke abschliessend muss das jede Wissenschaftlerin und jeder Wissenschaftler für sich entscheiden, Kinder? Ja oder Nein. Und wie wirkt sich das dann auf die Karriere aus?
Das Thema “Gender in Research” wurde hier schon von Uli behandelt.
Und hier ist der Artikel auf The Scientist.

Die Konvergenz der Echoortung!

January 26th, 2010

ResearchBlogging.org
Autor: Fee
Die Echoortung von Fledermäusen, Zahnwalen und einigen Vogelarten ist schon eine faszinierende Angelegenheit, doch viele Geheimnisse dieser Sinneswahrnehmung sind Wissenschaftlern ein Rätsel.
Zwei unabhängige Studien aus den USA und China werfen nun neues Licht auf die molekularbiologischen Aspekte dieses Phänomens.

Entwickeln zwei unterschiedliche Arten ähnliche Merkmale als Anpassung an Lebensraum oder Umwelbedingungen, so wird dies mit dem Begriff Konvergenz beschrieben. Einige anschauliche Beispiele sind zum Beispiel, die Extremitäten zur schwimmenden Fortbewegung im Wasser, die sich alle ähneln aber aus grundlegend unterschiedlichen Grundstrukturen entstanden sind.
Oder auch die Schädelanatomie von Wolf und Beutelwolf, die an die Lebensbedingungen als fleischfressender Jäger unabhängig voneinander Anpassungen durchlief und zu einem homologen Ergebnis führte.

Auch die Sonar von Fledermäsen und Walen stellt eine solche Konvergenz dar. Zwar sind die Lebensbedingungen denkbar unterschiedlich, während die Fledermaus fliegend bei Nacht nach Insektenbeute jagt bewegen sich Delfine im Wasser und jagen nach Beutefischen. Doch der Mechanismus der Echoortung ähnelt sich stark. Trotz so unterschiedlicher Erfordernisse wie eine Anpassung an die Dichteunterschiede der Medien in der Luft und im Wasser und auch der überbrückten Distanz, Fledermäuse orientieren sich über einige Meter während Delphine beispielsweise mehrere hundert Meter abdecken können, finden sich beeindruckende Übereinstimmungen in den anatomischen Bausteinen die für die Verarbeitung der Echosignale zuständig sind.
Und nun kommt noch eine weitere molekularbiologische Konvergenz hinzu.
Eine vorausgehende Arbeit konnte ein Genprodukt identifizieren, dass bei echoortenden Fledermäusen konvergente Veränderungen zeigte, im Vergleich zu nicht-echoortenden Spezies. Dieses Protein heisst Prestin. Bei der aktuellen Untersuchung wurden noch echoortende Zahnwale einbezogen, und basierend auf der Sequenz von Prestin, bestanden mehr Ähnlichkeiten zwischen den echoortenden Fledermäusen und Walen als im Vergleich zwischen den jeweils nicht-echoortenden, aber viel näher verwandten Arten. Dies legt nahe, dass die Veränderungen des Prestinproteins wichtig sind für ein funktionstüchtiges Echoortungssystem. Anatomische Veränderungen der entsprechenden Nervenzellen im Innenohr wurden bereits unabhängig der Verwandschaftsgrade bei echoortenden Arten entdeckt. So berichteten Forscher, dass die entsprechenden Haarzellen von Fledermäusen und Zahnwalen kürzer und steifer gebaut waren, also perfekt auf die hochfrequenten Signale der Echoortung gestimmt. An dieser Anpassung könnten die Mutationen des Prestinproteins bei echoortenden Spezies beteiligt sein hypothetisieren die Wissenschaftler. Dieser Annahme liegt auch zu Grunde, dass die Erzeugung der Schallwellen sich deutlich zwischen Zahnwalen und Fledermäusen unterscheidet.

Liu, Y., Cotton, J., Shen, B., Han, X., Rossiter, S., & Zhang, S. (2010). Convergent sequence evolution between echolocating bats and dolphins Current Biology, 20 (2) DOI: 10.1016/j.cub.2009.11.058

Li, Y., Liu, Z., Shi, P., & Zhang, J. (2010). The hearing gene Prestin unites echolocating bats and whales Current Biology, 20 (2) DOI: 10.1016/j.cub.2009.11.042

Gentherapie - Reloaded?

January 22nd, 2010

Autor: Fee
Ich hab mich hier auch schon mit verschiedenen Aspekten der Sicherheit und Anwendbarkeit und auch mit meiner Zukunftsperspektive der Gentherapie beschäftigt. Und heute habe ich einen gut zusammengefassten Übersichtsartikel zum Thema von Helga Hansen in der FAZ gefunden.
Am Beispiel der ALD, einer Augenerkrankung, werden neuere Erfolge der Anwendung eines adenoassoziierten Virusvektor beschrieben. Eine gut recherchierte Zusammenfassung.

Spermien - Jeder ist sich selbst der Nächste!

January 21st, 2010

ResearchBlogging.org
Autor: fee
Spermatozoen (Spermien), die männlichen Gameten (Keimzellen), wurden bei ihrer Entdeckung im 16. Jahrhundert durch Antoni van Leeuwenhoek als “animalcules”, also “kleine Tierchen” bezeichnet. Man ging also davon aus, dass es sich um selbstständige Organismen handelte. Der holländische Pionier der Mikroskopie bezeichnete gleichfalls aber auch Bakterien und Algen mit diesem Namen, was an der mikrigen Auflösung der damals zur Verfügung stehenden Mikroskope liegen könnte.
Auf die Spermien trifft diese Bezeichnung aber in gewissem Masse zu, denn sie müssen diverse Aufgaben nach dem Austritt aus dem Samenleiter bewerkstelligen, die zumindest ein gewisses Mass an Selbstständigkeit voraussetzen.
Über ein mögliches Erinnerungsvermögen von humanen Spermien wurde hier schon einmal berichtet und auch eine Perzeption von Duftstoffen wurde beschrieben, wobei Riechzellen, denen in unserer Nase vergleichbar, netterweise einen Maiglöckchenduft wahrnehmen und ihm in einem chemischen Gradienten folgen, um sich gerichtet zu bewegen. Doch nun kommt eine neue Eigenart der kleinen Schwimmer hinzu. Sie können ihre eigene Art erkennen, zumindest in einer nordamerikanischen Maus, genauer gesagt der Hirschmaus (Peromyscus maniculatus).


Bild: Wikipedia

Von diesen kleinen Nagern war bekannt, dass sich die Spermien in mehreren Dutzend zu sogenannten Zügen zusammenlagern, um ihre Vortriebsgeschwindigkeit um bis zu 50% zu verbessern. Dabei nutzen sie ihren abgeknickten Kopf um sich am Nachbar sozusagen einzuhaken. Dies ist ein erstaunliches Verhalten, da beobachtet wurde, dass mehrer Spermien im Zug während der Fortbewegung bereits die eine gesteigerte Schwimmbewegung einleiten, die sonst zur Durchbohrung der Eizellenwand dient und dadurch die Geschwindigkeit des Zuges steigern. Dies ist aber ein eindeutig altruistisches Verhalten, da diese Spermien später keine Eizelle mehr befruchten können.
Um das Ganze genauer zu untersuchen, mixten die Forscher Spermien von zwei geographisch getrennten Arten von Hirschmäusen (P. maniculatus und P. polionotus), die sich im Labor aber erfolgreich paaren lassen. Dafür wurden die Spermien zuvor mit unterschiedlichen Farbstoffen zur Unterscheidung gefärbt. Dabei zeigte sich, dass 75% aller Spermien sich mit Kollegen der gleichen Art zusammenlagerten. Dies setzt eine aktive Erkennung von Selbst und Nicht-Selbst voraus, die durch einen unbekannten Mechanismus vermittelt wird.
Um zu untersuchen, ob diese Glanzleistung der Diskriminierung auch Unterscheidungen zwischen Vertretern der eigenen Art ermöglichte, wiederholten die Forscher das Experiment mit Spermien von Mäusemännchen derselben Art. Bei P. polionotus zeigte sich eine homogene Mischung der Spermien verschiedener Männchen. P. maniculatus zeigte dagegen eine eindeutige Diskriminierung zwischen Spermien unterschiedlicher Männchen.


Bild: Wikipedia

Und das lässt sich Anhand des Paarungsverhaltens recht einleuchtend erklären, denn P. polionotus lebt weitgehend monogam, die Wahrscheinlichkeit, dass Spermien unterschiedlicher Herkunft im gleichen Weibchen um die Befruchtung der Eizellen konkurrieren, ist also relativ gering. P. maniculatus dagegen betreibt ein ziemlich hektisches Paarungsverhalten und es wurden schon hochgradig promiskuitive Zustände mit mehreren verschiedenen Männchen im Minutentakt beobachtet. Hier sieht die Konkurrenzsituation also ganz anders aus, und die Spermien desselben Männchens tun gut daran ihresgleichen zu erkennen und nötigenfalls durch Selbstopfer den eigenen Genen zur Befruchtung der Eizelle zu verhelfen.
Was für biochemische Prozesse dieser Erkennungsleistung zugrunde liegen, muss noch weiter erforscht werden. Die Autoren lassen es sich aber nicht nehmen eine Hypothese zu formulieren. So kommen beispielsweise bei Hefen oder Schleimpilzen hochgradig variable Gene vor, die eine Oberflächenprotein exprimieren, dass Individuen desselben Genotyps eine Erkennung und Bindung untereinander ermöglichen. Etwas ähnliches könnte diesen Erkennungsprozess auch bei Spermien steuern.

Fisher, H., & Hoekstra, H. (2010). Competition drives cooperation among closely related sperm of deer mice Nature DOI: 10.1038/nature08736

Geklonte flachköpfige amphibische Katzen in Asien?

January 20th, 2010

Autor: Fee
Der beste Blogpost der Woche stammt heute vom New Scientist aus der Rubrik Zoologger und heisst: “The amphibious Asian mystery cat”. In diesem Blog werden regelmässig seltsame oder seltene Tiere (manchmal auch andere Organismen) vorgestellt.
Diese Tiere (Prionailurus planiceps) werfen alles über den Haufen, was man weitläufig über Katzen zu wissen scheint, denn sie verbringen einen Grossteil ihres Lebens im Wasser und jagen Fische und andere Wassertiere. Viel weiss man allerdings nicht und das könnte auch so bleiben, denn die Tiere sind als gefährdet eingestuft und es mangelt an Zuchtpaaren. Das führte auch zu einem relativ verzweifelten Ansatz thailändischer Genetiker, die momentan versuchen, die Tiere durch “Intergenerischen Kerntransfer” nachzuzüchten. Dabei wird der Zellkern einer Hautzelle in die Eizelle einer eng verwandten, aber häufiger vorkommenden Art transferiert und der Embryo von dieser auch ausgetragen. In diesem Fall könnte man wohl die gemeine Hauskatze gut verwenden. Wenn es klappt, ist das Dilemma der geringen genetischen Diversität aber noch lange nicht gelöst. Und die Diversität ist für eine sich gesund fortpflanzende Population extrem wichtig! Mal sehen ob es klappt.

Ein Grillenpollinator?

January 20th, 2010

ResearchBlogging.org
Autor: Fee
Wenn man an die Bestäubung von Blütenpflanzen denkt, taucht als erstes mal die Biene auf, die bestimmt den Riesenanteil an der weltweiten Blütenbfruchtung leistet. Doch neben den diversen bekannten Vertretern aus der Ordnung der Hymenopteren (Hautflüglern) sind auch Schmetterlinge, Vögel und Fledertiere an diesen Serviceleistungen der botanischen Fortpflanzung beteiligt. Es gibt auch seltene Beschreibungen aus den vergangenen Jahren, wonach Schaben und sogar Eidechsen zur Bestäubung bestimmter Arten angelockt werden. Doch nun gesellt sich eine vollkommen neue Gruppe an Bestäubern dazu, und diese stammt aus der Ordnung der Langfühlerschrecken (Ensifera). Eine Grille also, und da sie den Forschern vollkommen unbekannt ist, steht bisher nur fest, dass sie in den Genus Glomeremus gehört. Das ist etwas volkommen Neues und wurde so noch nicht beobachtet.
Den Forschern auf den Leim gegangen ist das possierliche Tierchen auf der Insel La Réunion weit vor der Küste Madagaskars, als dieselben mit Nachtsichtkameras herausfinden wollten, wer denn nun für die Bestäubung der Orchidee Angraecum cadetii verantwortlich sein könnte.

Cricket Takes Plunge? from Science News on Vimeo.

Video credit: Michenau and Fournel

Die beiden Partner scheinen gut aufeinander eingestellt zu sein, so verströmt die Orchidee nachts ihren Duft und der Nektarkanal ist weit genug, um der etwas pummeligen Grille den Einlass zu erlauben. Ausserdem ist die cremig-weisse Färbung der Blütenblätter nachts wahrscheinlich gut zu erkennen. Ein weiterer Faktor ist die Navigationsfähigkeit der Tiere. Diese nachtaktive Art kehrt tagsüber in ein Nest zurück, was als Beleg für ein ausgeprägtes Orientierungsvermögen gewertet wird, eine Voraussetzung um die “Orchideenbeute” zu finden.

Micheneau, C., Fournel, J., Warren, B., Hugel, S., Gauvin-Bialecki, A., Pailler, T., Strasberg, D., & Chase, M. (2010). Orthoptera, a new order of pollinator Annals of Botany DOI: 10.1093/aob/mcp299